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TerraTanica One World, Many Cultures, Countless Sounds.
Ein großer Konzertname zieht Aufmerksamkeit an. Wer ein Programm weiterliest, entdeckt jedoch manchmal eine ebenso wichtige Information in den Aufgaben hinter den Namen: künstlerische Leitung. Bei „Sahravane“ steht sie zweimal – bei Souad Asla und bei Omar Sosa.
Das ist ein guter Ausgangspunkt für unseren Beitrag vom Donnerstag, dem 10. September 2026. Am kommenden Samstag, 12. September, um 21.30 Uhr, ist das Projekt beim Festival Arabesques im Amphi d’O in Montpellier angekündigt. Das offizielle Konzertprogramm führt Asla mit Gesang und Gumbri, Sosa am Klavier. Beide teilen die künstlerische Verantwortung.
Die Besetzung lenkt den Blick auf eine Frage, die über diesen Abend hinausreicht: Wie erzählen wir von traditionellen Musikerinnen, wenn sie gemeinsam mit einem international bekannten Jazzmusiker auftreten? Erkennen wir ihre Entscheidungen, ihre Erfahrung und ihre Autorität ebenso deutlich wie den berühmten Namen?
Souad Asla stammt aus Béchar im algerischen Sahara-Gebiet. Ihre Künstlerbiografie beschreibt eine langjährige Beschäftigung mit der Musik ihrer Herkunftsregion und eine Zusammenarbeit mit Hasna El Bécharia, die 2002 begann. Das Zusammenbringen von Frauen, die überlieferte Texte und Rhythmen kannten, entwickelte sich aus ihrer Sorge um deren Weitergabe.
Das ist eine andere Geschichte als die Entdeckung eines vermeintlich unbekannten Schatzes durch Außenstehende. Hier handelt eine Musikerin aus eigenen Beziehungen heraus. Sie kennt Menschen und Repertoire, sammelt Erfahrungen und entscheidet, welche künstlerischen Wege sie damit gehen möchte.
Auch der Ortsname verdient Aufmerksamkeit: Saoura. „Musik aus der Sahara“ kann erste Orientierung geben, umfasst aber einen gewaltigen Raum. Der genauere Name erinnert daran, dass Lieder in bestimmten Gemeinschaften und Lebensgeschichten verankert sind.
Der Name Lemma lässt sich nach der offiziellen Ensemblevorstellung als Zusammenkunft oder Versammlung verstehen. Stimme und Hände stehen im Zentrum der Musik; Perkussion und Guembri kommen hinzu. Die Darstellung betont außerdem, dass die Musikerinnen Repertoires aufgreifen, die früher Männern vorbehalten waren, und Musik aus unterschiedlichen privaten und öffentlichen Zusammenhängen auf die Bühne bringen.
Darin liegt eine eigenständige künstlerische Arbeit. Ein Konzert stellt andere Anforderungen als eine Zusammenkunft im vertrauten Kreis. Das Publikum kennt möglicherweise weder die Lieder noch ihre sozialen Bezüge. Ein Programm braucht eine Dauer, Übergänge und eine Form, in der es an diesem neuen Ort verständlich werden kann.
Die Musikerinnen treffen dafür Entscheidungen. Sie treten mit ihrer Erfahrung vor andere Menschen und gestalten, was diese hören und sehen. Es wäre deshalb zu wenig, sie ausschließlich als Bewahrerinnen zu beschreiben. Zum Bewahren gehört hier die Fähigkeit, eine neue Aufführungssituation zu schaffen.
„Sahravane“ entstand über einen langen Zeitraum. Die Produktionsgeschichte setzt 2009 beim panafrikanischen Festival in Algier an, wo Asla und Sosa einander begegneten. Später griffen sie die Idee einer Zusammenarbeit wieder auf. Eine einwöchige Residenz an den Ateliers Médicis gab dem Projekt schließlich gemeinsame Arbeitszeit. Erste Konzerte sind für November und Dezember 2024 dokumentiert.
Die am selben Ort veröffentlichten künstlerischen Absichten sind konkret. Asla nennt Zafani, Filali, Haydousse und Hadra als Rhythmen ihrer Region, die sie in die Begegnung einbringen möchte. Sosa beschreibt sein Interesse an Verbindungen zwischen seinen afrokubanischen Wurzeln und dem süd-algerischen Repertoire.
Diese Angaben lassen die Zusammenarbeit greifbarer werden. Sie beginnt mit musikalischen Vorschlägen und der Bereitschaft, sich damit zu beschäftigen. Das Konzert in Montpellier setzt einen bereits begonnenen Prozess fort; es wird nicht als Premiere angekündigt.
Für Samstag sind neben Asla und Sosa der Gitarrist Csaba Palotaï und der Perkussionist Gustavo Ovalles angekündigt. Dazu kommen Aziza Tahri, Mebrouka Brik, Rabia Boughazi und Sabrina Cheddad mit Gesang, Chorstimmen und verschiedenen Perkussionsinstrumenten. Das Festival nennt unter anderem Bendir, Derbuka, T’bal und Karkabu.
Eine solche Liste kann beim Lesen wie Kleingedrucktes wirken. Auf der Bühne hängt jedoch jeder musikalische Verlauf von den Beteiligten ab. Wer antwortet auf eine Stimme? Wer hält einen Rhythmus, wer verändert seine Gewichtung? Wie findet eine Klavierphrase Platz zwischen Gesang und Perkussion?
Das sind Hörfragen für den bevorstehenden Abend, keine vorweggenommene Konzertkritik. Sie helfen, die Aufmerksamkeit auf das Zusammenspiel zu richten und die einzelnen Musikerinnen darin wahrzunehmen.
Ein Auftritt kann die Reichweite einer Musik vergrößern. Ob dabei auch ihre Trägerinnen stärker wahrgenommen werden, hängt davon ab, wie der Abend angekündigt, moderiert und später besprochen wird.
Bei „Sahravane“ bietet die gemeinsame künstlerische Leitung dafür einen klaren Anhaltspunkt. Souad Asla bringt eine eigene Vorstellung von diesem Projekt mit. Die Frauen von Lemma erscheinen als Musikerinnen mit Repertoirekenntnis, Spielpraxis und Bühnenerfahrung. Diese Arbeit verdient dieselbe Genauigkeit, mit der wir einen Klavierstil oder eine Jazzlaufbahn beschreiben.
Das verlangt keine feierliche Distanz vom Publikum. Freude, Bewegung und unmittelbare Neugier gehören ebenso zu einer Begegnung mit Musik. Genaues Zuhören kann mitten darin beginnen: bei einer Stimme, die eine Phrase verändert, einem rhythmischen Einsatz oder einem Namen, den wir uns merken.
Arabesques läuft vom 8. bis 20. September 2026 in Montpellier. Für den heutigen Tag ist dieser Beitrag eine Vorschau auf das bevorstehende Konzert, kein Bericht aus dem Zuschauerraum. Termin und Spielort werden auch vom Produzenten des Projekts bestätigt.
Für Radio TerraTanica liegt die Einladung darin, bei musikalischen Begegnungen die Verantwortung ebenso aufmerksam zu benennen wie die Herkunft. Wer hat eine Zusammenarbeit angestoßen? Wer gestaltet sie? Welche Namen verschwinden, wenn wir eine ganze Gruppe zu einer einzigen Klangfarbe zusammenfassen?
Am Samstag soll in Montpellier ein Klavier auf Stimmen und Rhythmen der Saoura treffen. Schon vor dem ersten Ton lässt sich etwas Wesentliches erkennen: Die Frauen bringen ihre Musik mit – und sie bestimmen mit, wohin sie führt.
Recherche und Abruf: 10. September 2026.
Geschrieben von: TerraTanica
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13:00 - 14:00
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